wenn man nicht weiß wohin damit

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Unter dem präzisen Dirigat von Winfried Fechner präsentierte der gut aufgelegte Silcher-Chor Lieder von Heinz Erhardt. Foto: t&w | Autor: ff Lüneburg

„Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen!“ Da ist er wieder, der tapsige Humorist mit der Birnenfigur und dem schwarzen Kassengestell  der Meister des Flachwitzes, manche sagen: der Erfinder des gepflegten Blödsinns in Deutschland. Heinz Erhardt heißt jetzt Stefan Keim, ist Kabarettist und mit Klassikern, mit Gedichten vom Ritter Fips und natürlich von der verwaisten Made bundesweit unterwegs. Im vollbesetzten Kulturforum Gut Wienebüttel präsentierten Keim und der Lüneburger Silcher-Chor unter der Leitung von Winfried Fechner eine Rundum-sorglos-Revue mit Liedern und Texten des Kalauer-Königs.

„Körperpflege ist in Lappland billig. Man braucht nur Seife, Lappen gibt es da genug!“ Bei manchen Witzen rollen sich einem die Fußnägel hoch. Aber Heinz Erhardt, 1909 in Riga geboren, 1979 in Hamburg gestorben, ist längst eine Legende. Bei Rankings über den wichtigsten deutschen Humoristen landete er  hinter Loriot  auf Platz zwei. Die scheinbare Naivität und Schüchternheit des onkelhaften Riesenbabys, seine geniale Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu entwirren und epische Dramen auf ein kleines Gedicht zu verkürzen, waren in TV-Spielfilmen und unzähligen Bühnenshows  „Ach, was bin ich wieder für ein Schelm heute…“  zu bewundern. Dieser Schelm hatte großen Anteil daran, dass den Wirtschaftswunder-Deutschen im Ausland etwas zugestanden wurde, was ihnen sonst immer so schrecklich zu fehlen schien: trockener, leichtfüßiger Humor.

Der Lüneburger Silcher-Chor (Durchschnittsalter: über 70 Jahre) arbeitet seit einiger Zeit an einem jüngeren Erscheinungsbild: ein neues Repertoire, mehr Popmusik, mehr Spaß, mehr Mut zum Experiment. So hatte der neuen Dirigent Winfried Fechner die Idee, seinen alten Kumpel Stefan Keim mit dessen Programm zu engagieren. Das Ensemble studierte Erhardt-Lieder ein, die für Männerchor arrangiert worden waren: Gassenhauer wie das Lied vom Fräulein Mabel und das von der England-Reise eines betagten Adeligen, wir erinnern uns: „Fährt der alte Lord fort/fährt er nur im Ford fort./Und die alte Misses/gibt ihm ein paar Kisses“, und so fort.

Man tut Heinz Erhardt unrecht, ihn als simplen Blödel-Barden einzustufen. So ganz nebenbei skizziert er seine Mitmenschen; Zitat: „Frau soundso hat zwei Ärzte. Einen älteren, wenn sie krank ist, und einen jüngeren, wenn ihr was fehlt.“ Aber funktioniert dieser Spaß mit seinen heute hinreichend bekannten Pointen auch noch im Jahre 2014?

Der Silcher-Chor wurde mit langem Applaus empfangen und konnte sich der Sympathie des Publikums  ebenfalls durchweg höhere Semester  den ganzen Abend über sicher sein. Den typischen weichen Singsang-Vortragsstil, mit dem Heinz Erhardt etwa Goethes „Erlkönig“ auf Normalmaß stutzte („Wer reitet so spät durch Wind und Nacht?/ Es ist der Vater. Es ist gleich acht.“) adaptierte Stefan Keim, ohne ihn überzustrapazieren. Und der Chor, von der erfahrenen Pianistin Mira Teofilova begleitet, hatte erkennbar seine Freude an den Liedern, die auch mal mit kleinen Comedy-Einlagen angereichert wurden. So hat der Silcher-Chor offensichtlich mit Heinz Erhardt auf das richtige Pferd gesetzt.

Apropos Pferd, noch einmal der Erlkönig: „Er erreicht den Hof mit Müh und Not,/der Knabe lebt, das Pferd ist tot.“

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Winfried Fechner führte den Silcher-Chor temperamentvoll durch das Wandelkonzert im Kloster Lüne. Foto: t&w | Autor: hjr Lüneburg.

Möglicherweise ist das der richtige Weg. Einfach mitsingen, ohne besonderen Probenaufwand, und am Ende packt manchen eventuell die Lust, doch regelmäßig dem Gesang zu frönen. So machte es der Lüneburger Silcher-Chor mit seinem Dirigenten Winfried Fechner. Folgerichtig lautete der Programmtitel „Singen mit dem Silcher-Chor“, ein Wandelkonzert rund um Kloster Lüne mit sommerlich sonnigem Inhalt und Aufforderung an das  etwas rare  Publikum, einzustimmen. Ein Experiment, das gelang.

Sachte ändert Winfried Fechner das Repertoire des Chors. Weniger Opernschmelz und romantisch Schweres als bisher, stattdessen dürfen es mal Schlager oder Songs sein. Das berühmte „Halleluja“ oder sogar Abba mit dem beflügelnden „Mich trägt ein Traum“ reihten sich mit technisch versierten Vorträgen ein. Wie pädagogisch inspiriert der Chorleiter agiert, erfuhren die Zuhörer überzeugend: Nach kurzen Anweisungen folgte das Publikum dem Dirigenten mit wachsendem Vergnügen, dergestalt mutierte der ehrwürdige Männer-Chor zum gemischten Ensemble.

 Traditionelles bleibt eine Säule, darunter Silchers „Ännchen von Tharau“, hier aber nun flott auf Plattdeutsch präsentiert  in der Brunnenhalle zu plätscherndem Wasser: ein Ort für volkstümliche Liebeslieder, die den Herren mit hörbarer Freude und kräftigen Stimmen über die Lippen gingen. Mitgesungen werden durfte selbstverständlich auch. „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ stand auf der Agenda, passend begleitet von Mundharmonika und Waldzither.

Jeder Raum versprühte eine spezifische Atmosphäre, entsprechend kombinierte Fechner die Beiträge. Im Refektorium beispielsweise hatten Werke ihren Platz, die ein bisschen geheimnisvoll wirkten, wie Franz Schuberts „Die Nacht“, hingebungsvoll interpretiert. Erfreulicherweise brachten die verschiedenen Stationen und Herausforderungen den Silcher-Chor in keinem Moment aus dem Takt. Im Gegenteil, die Stücke saßen präzise. Winfried Fechner hatte die Männer mit klaren Zeichen fest im Griff, regte zu Disziplin an, forderte akkurate Intonation.

Das Vergnügen an der Musik übertrug sich auf die Besucher. Unter der Überschrift „Festival der Lieder“ gab es einen interessanten, überraschenden Akzent zu erleben. Fortsetzung folgt: Am Sonntag, 13. Juli, flanieren die Choristen ab 17 Uhr durch Lüneburgs Psychiatrische Klinik.

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2013 war für…

den Lüneburger Silcher-Chor ein recht ereignisreiches: Wechsel im Vorstand, Wechsel des Chorleiters, ein Chorprojekt, drei eigene Konzertveranstaltungen, Auftritte bei verschiedenen Gelegenheiten, eine Fülle von Werbemaßnahmen und schließlich: mehrere neue Mitglieder. Aber wir wollen es der Reihe nach darstellen.

Die Jahreshauptversammlung erbrachte nicht nur einen Wechsel in beinahe allen Vorstandspositionen, es stellte sich mit Winfried Fechner auch der neue Chorleiter vor, der den Chor nach einem Abschiedskonzert für den scheidenden Chorleiter Heinz-Egon Kretzer übernehmen sollte. Weiterhin wurde entschieden, dass das Chorprojekt, das von der im Vorjahr gebildeten Arbeitsgruppe vorgeschlagen worden war, umgesetzt werden sollte.

Der ausgehende Winter und das Frühjahr waren dann voller Aktivitäten: Ein Chorseminar am 2./3. Februar in der LVA Echem, bei dem wir uns mit neuerer Chorliteratur befassten, ein Pressegespräch am 20. Februar, bei dem wir den künftigen Chorleiter sowie die neue Ausrichtung des Chors vorstellten, und dazu Infostände in Lüneburgs Großer Bäckerstraße am 16. und am 23. März, die der Werbung neuer Mitglieder und für das Abschiedskonzert im April dienten. Die Anwesenheit bei den Infoständen entwickelte sich zu einer größeren Herausforderung, da es an beiden Tagen bitter kalt war.

Das Pressegespräch und die begleitenden Aktivitäten hatten zur Folge, dass der Silcher-Chor mit seinem Projekt nicht nur in diversen Lüneburger Zeitungen und Magazinen vorgestellt wurde; es langte sogar zu einer kurzen Radiosequenz bei NDR 1. Für einen der Magazin­berichte fuhren wir noch einmal kurz hinaus nach Echem, um dort ein paar Fotos mit länd­lichem Flair aufzunehmen.

Gleichzeitig liefen die Proben für das Abschiedskonzert auf Hochtouren. Bei diesen Proben und auch beim Konzert wirkte unser Chorleiter in spe als Sänger mit – Respekt, Respekt! Das Konzert am 12. April in der gut besuchten Kirche St. Marien in Lüneburg, der langjährigen Wirkungsstätte von Heinz-Egon Kretzer als Organist, erbrachte an Spenden für die Kita St. Marien 1150 €, die im Frühsommer bei einem Besuch der Kita übergeben wurden.

Gleich in der Woche nach dem Konzert begannen die Proben für unser Projekt „Von der Romantik zur Moderne“. Schon zur ersten Probe konnten wir mehrere Interessenten begrüßen. War schon das erfreulich, so freuen wir uns heute umso mehr, als dass wir im vergangenen Jahr insgesamt fünf feste Zugänge verzeichnen konnten: die Mehrzahl der Interessenten ist bei uns geblieben!

Zur Frühlingsfahrt am 11. Mai lässt sich sagen: Es war ein schöner Ausflug nach Rerik und auf das Salzhaff, den alle Mitreisenden genossen haben. Nur war die Teilnahme leider doch deutlich unter den Erwartungen geblieben. Das Grillfest am 15. Juni war einigermaßen gut besucht, litt aber deutlich unter dem Schauerwetter.

Im Sommer waren wir bei zwei Sommerfesten in Lüneburger Altenheimen zu Gast: am 20. Juli im Posener Altenheim sowie am 2. August in der Alten Stadtgärtnerei. Im Juli war das Wetter sehr schön sommerlich und das Singen war angenehm, auch wenn wir ein wenig gegen den Straßenverkehr auf der nahen Uelzener Straße ansingen mussten. Der Augusttermin hatte dagegen eine wesentlich größere Herausforderung im Gepäck: es war unerträglich heiß! Wir konnten für unseren Auftritt einen schmalen Schattenplatz ergattern, verkürzten unser Programm – und überlebten so das Singen bei mehr als 40 °C!

Eine Probenpause machten wir in diesem Sommer nicht – zu umfangreich war das Programm, das wir uns vorgenommen hatten. Inzwischen hatten wir erfahren, dass der Augustus-Chor, nach langen Jahren der Zusammenarbeit, sein Weihnachtskonzert 2013 ohne den Silcher-Chor gestalten wollte – was uns die Möglichkeit zu einer eigenen Weihnachtsveranstaltung eröffnete!

Der 30./31. August und der 1. September sahen uns dann bei der Herrentour unterwegs. Es waren drei sehr unterhaltsame Tage, und ein Singen war auch dabei: im Brunnenhaus des Kreuzgangs des Klosters Walkenried beeindruckten wir nicht nur unsere Führerin, sondern auch die anwesenden Besucher des Museumsklosters mit „gepflegtem Chorgesang“.

Ein zweites Chorseminar am 21./22. September, ebenfalls in der LVA Echem, diente der Vertiefung des Stoffs für unser schon bald anstehendes Konzert, brachte uns aber auch einiges Vergnügen bei der Aufnahme von Fotos. Auch einen Infostand in der Großen Bäckerstraße organisierten wir wieder – dieses Mal war es zwar nicht so kalt, dafür war es regnerisch.

Eine Woche nach diesem Infostand wurde es dann ernst: „Klangerlebnis Chormusik – Musik aus Renaissance, Romantik und Moderne“ hatten wir unser Konzert genannt, das am 19. Oktober im Kulturforum Wienebüttel stattfand. Bei diesem Konzert war fast alles anders gegenüber früher: der Veranstaltungsort, der Termin, unsere Kleidung, die eingeladenen Chöre, die Zusammenstellung unserer Beiträge. Bange Fragen gab es vor dem Konzert: Würden überhaupt Zuschauer in ausreichender Zahl kommen? Würden der ungewohnte Veranstaltungsort „vor den Toren Lüneburgs“ und der ungewohnte Termin zu einem Zuschauerschwund führen? Und wenn – würden wir das mit neuen Interessenten kompensieren können? An Werbung hatten wir ja einiges veranstaltet – aber würde das ausreichend sein? In der Presse waren zwar immer wieder Artikel über unseren Chor erschienen – aber hätten es nicht mehr sein müssen? Und vor allem: wie würde unser neues Konzept beim Publikum ankommen?

Wie würde das Publikum die ungewohnte Chormusik aufnehmen: Ein Stück aus einer japanischen Oper, für Männerchor eingerichtet – auf Japanisch? Ein swingender Wise-Guys-Song mit chorischer Untermalung einer Solo-Partie? Und ganz modern: für einen Männerchor arrangierte Spielemusik, eine Welt-Uraufführung?

Im Nachhinein können wir nun sagen: Wir haben im Wesentlichen das Richtige gemacht! Zwei dem Lüneburger Publikum unbekannte Chöre – der Barbershop-Chor „Singsation“ aus Bremen und der MGV Selsingen –, die Beteiligung des Publikums, ungewohnte Klänge neben Altbekanntem: „das Publikum war begeistert“, wie die Presse schrieb, und sie titelte: „Ein Abend voller Überraschungen“. Und das Schönste: das Kulturforum war voll! Es mussten kurz vor Beginn der Veranstaltung sogar noch eilig Stühle herbeigeschafft werden. Spätestens bei der Zugabe (ein „animierter“ Tango – Spanische Nächte), war das Publikum überzeugt: So sollte es weitergehen!

Mit diesem Konzert waren unsere Aktivitäten 2013 aber bei weitem noch nicht erschöpft. Am 15. November begleiteten wir chorisch die Feierstunde zum 20jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Lüneburg und Tartu/Estland. Unsere estnischen Freunde waren sehr erfreut, dass wir das Lied „Kuu“ auf deutsch und auf estnisch sangen. Bei der Poster-Präsentation am nächsten Tag im Foyer des Theaters versicherte uns der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung von Tartu, eine Chorpartnerschaft mit dem „Meeskoor Gaudeamus“ aus Tartu wieder in Gang zu bringen.

Am 15. Dezember waren wir dann wieder einmal zum Singen im Posener Altenheim. Dort war zunächst Improvisation angesagt, denn stillschweigend war die Heimleitung von einer einstündigen Gesangsdarbietung ausgegangen. Unter zeitweiser aktiver Beteiligung der Heimbewohner sangen wir vier- bzw. einstimmig weihnachtliche Lieder, bis nach einer 3/4 Stunde die Aufmerksamkeit der Heimbewohner merklich nachließ….

Und noch einen Höhepunkt hielt dieses Jahr für uns bereit: Am 21. Dezember hieß es „Mit dem Silcher-Chor in die Weihnachtszeit“. Der Mix aus chorischen Darbietungen, Mitsingliedern, Texten (auch auf Platt), instrumental präsentierten Liedern, jazziger Weihnachtsmusik und dem kindlichen Gesang eines Mädchentrios erfreute unser Publikum in der Pauluskirche, die trotz starker Konkurrenz an diesem Wochenende zu fast zwei Dritteln gefüllt war. Wir könnten diese Veranstaltung glatt zur Tradition werden lassen!

Und noch einen letzten Auftritt können wir für das Jahr 2013 in die Annalen aufnehmen: Am 28.12. fand sich ein Teil des Chors (Größenbeschränkung aus Platzgründen) im Restaurant „Zur Alten Wassermühle“ in Bienenbüttel ein, um dort einen 80. und einen 75. Geburtstag eines Ehepaars zu besingen. Die Geburtstagsgesellschaft sang bereitwillig mit, und so konnten wir – trotz weitestgehend einstimmigem Gesang, da wir die gewünschten Lieder nicht mehrstimmig im Programm hatten – viel Sangesfreude vermitteln.

Alles in Allem: ein aktives und ereignisreiches Jahr, das uns als Chor stark gefordert, aber auch viele schöne Momente gegeben hat.

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Winfried Fechner, der neue Mann vorm Silcher-Chor. Foto: t&w | Autor: aat Vögelsen

Etwas Besonderes wollte der Silcher-Chor bei seinem ersten großen Auftritt unter seinem neuen Leiter Winfried Fechner bieten: Er kam nicht allein, sondern lud zwei Männerchöre ein, die unterschiedliche Musikstile und Singweisen boten. Der Silcher-Chor selbst zeigte neue Facetten: Im voll besetzten Kulturforum warteten die Lüneburger mit einem überraschenden und temperamentvollen Programm auf, das neben Musik aus der Renaissance und Romantischem aus der großen Zeit des Männer-Chorgesangs auch zeitgenössische Popsongs, Humoristisches und Zeitgenössisches umfasste.

Mit Enthusiasmus moderierte Winfried Fechner das Programm und lud das Publikum sogar zum Mitmachen ein. Die Pavane „Belle qui tiens ma vie“ von Thoinot Arbeau (1519-1595) erklang aus dem Eingangsbereich der Scheune. Dann kamen die Silcher-Choristen auf die Bühne, stimmten „Untreue“ an, bekannt als „In einem kühlen Grunde“, eines der Lieder ihres Namensgebers Friedrich Silcher. Die feine, stimmungsvolle Interpretation knüpfte an die traditionelle dynamische Interpretationsweise von Fechners Vorgänger Egon Kretzer an, der den Chor bis vor einem halben Jahr geprägt hat.

Zuvor hatte der Silcher-Chor bereits mit einem Werk überrascht, das Freunde Fechners komponiert und arrangiert haben, die Japaner Kaoru Wada und Katsura Shimizu. Sie haben das melodisch-atmosphärische Finale aus einem japanischen Musical eigens dem Silcher-Chor übereignet, der dieses musikalische Landschafts- und Seelenbild sicher und sehr eingängig auslegte – auf Japanisch! Am Piano begleitete Mira Teofilova diesen Hoffnungsgesang mit viel Feingefühl. Ganz anders, nämlich verschmitzt und lustig, der gelungene Wise-Guys-Hit „Probier’s mal mit ’nem Bass“ (Solo: Ulli Hess).

A cappella offerierten die elf Mitglieder der Singsation aus Bremen ihre Songs („Heart of my Heart“, „Under the Boardwalk“ u.a.). Sie bezeichnen sich als Barbershop-Chor und frönen jener vierstimmig-harmonischen Musik, wie sie im Süden der USA in Frisör-Salons den Radiosendungen nachgesungen wurde, um sich das Warten auf den Haarschnitt zu vertreiben. Auffallend sind eine hohe Stimme und gesummte Stimmen. Chorleiter Washington de Oliveira dirigierte mit Temperament und Rhythmus, brachte die Sänger zum Swingen und ließ auch das schwierige „Crazy Little Thing“ von Freddie Mercury mit Schwung vortragen.

Den MGV Selsingen e.V. von 1877 gab es bereits 70 Jahre, als der Silcher-Chor seinen 25. Geburtstag feierte. Er pflegt die Tradition des deutschsprachigen Singens und ließ u.a. „Aus der Traube in die Tonne“ und „Babylon“ erklingen. Chorleiter Piet Zorn aus dem Odenwald ließ das Schunkellied „Die schöne Odenwälderin“ nicht fehlen, eher er seine Sänger mit dem Silcher-Chor Leonard Cohens „Hallelujah“ anstimmen ließ: Rund 70 Männerstimmen schwelgten in großem Sound mit „Mich trägt mein Traum“ (Abba), „Ciao d’Amore“ und „Sierra Madre“.

Schuberts Nachtlied sang der Silcher-Chor allein, in wunderbarem Pianissimo. Bevor er sich mit „Der Mond ist aufgegangen“ und einem witzigen Tango („Das ist der Zauber der spanischen Nächte“) verabschiedete, ließ Fechner das Publikum mit Butterbrotpapier rascheln: Solche Regengeräusche gehörten zu „Secret of Mana“ („Fear of the Heaven“) von Hiroki Kikuta, arrangiert von Jonne Valtonen. Fechner hatte dieses effektvolle Stück Programmmusik geschenkt bekommen, um es mit dem Silcher-Chor erstmals aufzuführen. Das Publikum war begeistert.

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Über uns

Der Silcher Chor vor Schloss Bellevue (@Silcher Chor)

Friedrich Silcher steht für traditionellen Männergesang. 1829 gründete der Tübinger Universitätsdirektor die „akademische Liedertafel“. Der Lüneburger Männerchor sieht sich in dieser Tradition.

Nun ein paar Worte über uns:

Wir sind ein großer und leistungsfähiger Männerchor

Wir singen Chormusik aus den unterschiedlichsten Bereichen: moderne Chorsätze, Populäres, traditionelle Lieder, internationale Folklore, aber auch Chormusik aus Opern, Operetten und Musicals.

Wir singen, weil Singen

  •     Freude bringt,
  •     über den Alltagsstreß hinaus hilft,
  •     aktive Freizeitgestaltung ist,
  •     kulturelle Mitgestaltung bedeutet
  •     schöne, gemeinsam erlebte Stunden bringt.

Singen ist gesund, Singen macht Spaß und Singen verbindet!

Viele seiner Lieder werden auch heute von Männerchören gesungen – und auch der Lüneburger  Männerchor sieht sich von dieser Tradition getragen. Seit 1951 singen die rund 40 Sänger im Silcher Chor, seit einem Jahr unter der Leitung von Ann-Katrin Fiedler, die neue musikalische Wege geht ohne die alten Pfade zu verlassen.

Der Silcher Chor verbindet alt Vertrautes mit neuen Klängen, die sich nahtlos ins Konzertprogramm fügen.

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Freude am Singen

Und kam ich wieder zum Singen, war alles auch wieder gut.

Dieser Satz stammt aus einem von Friedrich Silcher vertonten Lied – und anscheinend gilt er auch noch in der heutigen Zeit. Das ergab zumindest eine Umfrage unter unseren Sängern zum Thema: Warum singst Du im Silcher-Chor?

Modern ausgedrückt, lautete die häufigste Antwort auf diese Frage:
„Das Singen im Chor hilft mir, den Alltags-Stress abzubauen.“

Ein Mitglied beschreibt es so: „Wenn ich, mit all den Problemen des Alltags beladen, zur Chorprobe komme, dauert es meistens nur wenige Minuten, und die Probleme rücken immer weiter weg. Nach der Probe bin ich entspannt und ausgeglichen, und alles, was mich belastet hatte, ist wie weggeblasen.“

Bekräftigen kann dies auch die Aussage einer Ehefrau eines Chormitglieds: „Wenn mein Mann von der Chorprobe heimkommt, ist er immer fröhlich gestimmt.“

Chorgesang ist also nicht nur einfach nur ein schönes Hobby („Ich singe gerne“, was ebenfalls eine häufige Antwort war), sondern hat einen lebensbejahenden, fast schon therapeutischen Effekt!

Egal, ob es nun eine Familientradition, die Freude an gemeinsamen Unternehmungen mit dem Chor oder die Begeisterung über den Chorleiter ist: Mitglied im Silcher-Chor zu sein, ist für jeden einzelnen von uns eine individuelle Bereicherung!

Haben wir Eure Lust geweckt, mitzusingen? Kennt Ihr womöglich noch einen weiteren Grund, der Euch veranlassen könnte, mitzumachen? Nur zu, kommt vorbei und macht mit! Wir würden uns freuen, Euch kennenzulernen (und vielleicht auch etwas über Eure Motivation zu erfahren, bei uns mitzumischen).

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2012 Alles ändert sich…

mit der Zeit – auch dem Silcher-Chor stehen Veränderungen ins Haus. Vorboten des Wandels waren im Jahr 2012 schon deutlich auszumachen.

Es begann mit einer Ideensammlung zur Zukunft des Chors, was dann in die Bildung einer Arbeitsgruppe mündete, die mit der Aufgabe betraut wurde, Konzepte für die Zukunftsfähigkeit des Chors zu entwickeln. Schnell wurde klar, dass der Silcher-Chor sein musikalisches Angebot erweitern muss, um neues Publikum und neue Mitwirkende zu gewinnen. Für eine solche Angebotserweiterung gibt es zwei Möglichkeiten:
– neue, „modernere“ Chorsätze einstudieren und präsentieren, in Ergänzung zum bisherigen Repertoire,
– Gastchöre zu Konzerten einladen, die Varianten des Chorgesangs präsentieren, die der Silcher-Chor nicht anbietet.

Der Silcher-Chor hat sich nun entschieden, beide Wege zu beschreiten. Ein erster Versuch, sich mit neuartigen Chorsätzen zu beschäftigen, wird auf einem Chorseminar im Februar 2013 gestartet. Auf dem anderen Weg sind schon die ersten Schritte gegangen worden: Zum traditionellen Herbstkonzert 2012 wurde ein Jungendchor eingeladen. Und damit sind wir mitten in der Hauptaktivität des Chors gelandet: dem Singen.

Am 5. Mai nahm der Silcher-Chor mit 3 Liedern am Kreischorfest in Reppenstedt teil. Neben anderen fand der „Rosenwalzer“ besonderen Anklang.

Zum traditionellen Termin des Herbstkonzerts, dem ersten Wochenende im November, hatte der Chor sein Konzert unter das Motto „Tradition und junger Ton“ gestellt. Ein Experiment – ist doch das Repertoire des als Gastchor eingeladenen Jugendchors „Essenzen“ deutlich verschieden von dem traditionell ausgerichteten des Silcher-Chors. Die Begeisterung des Publikums, auch und vor allem bei den Beiträgen der „Essenzen“ zeigte, dass der Chor mit diesem Konzept auf dem richtigen Weg ist! Die Kombination von traditionellem Chorgesang und „Jungem Ton“ – frischen, modernen Stücken, „bewegt“ vorgetragen – scheint eine zukunftsfähige Konzertform zu sein! Die Pauluskirche war für das Konzert ein akustisch geeigneter Rahmen, in dem auch die neu einstudierte „Serenade“ von Fr. Kücken gut zur Geltung kam.

Zum Ausklang des Jahres gab es dann wieder Traditionelles: Das Adventssingen am Weihnachtsmarkt und der Gastauftritt beim Weihnachtskonzert des Augustus-Chors. Zwar war der Chor beim Auftritt in der Nicolaikirche krankheitsbedingt stark dezimiert, aber dennoch gelang auch mit den neu einstudierten Beiträgen eine eindrucksvolle Präsentation.

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Friedrich Silcher

wurde am 27.6.1789 in Schnait (heute ein Ortsteil von Weinstadt), Württemberg, geboren. Er wirkte als Lehrer in seinem Geburtsort und in Ludwigsburg und ließ sich 1815 nach einer Begegnung mit Carl Maria von Weber in Stuttgart als Musiker nieder.

Er nahm bei Conradin Kreutzer und Johann Nepomuk Hummel Klavier- und Kompositionsunterricht und wurde bereits 1817 Universitätsmusikdirektor und Lehrer am evangelischen Stift Tübingen. 1829 gündete er die “akademische Liedertafel” als Männerchor, 1839 den “Oratorienverein” und nahm eine zentrale Stellung im Musikleben von Tübingen ein, wo er am 26.8.1860 starb.

Werke

Silchers Volksliedschaffen – waren es Neuschöpfungen oder Bearbeitungen – konnte man seiner Usprünglichkeit und Echtheit nicht berauben. Er verfasste 12 Hefte zu je 12 Liedern für 4 Männerstimmen, 4 Hefte vierstimmiger Volkslieder für gemischten Chor, 8 Hefte zu je 12 deutschen Volksliedern für eine oder 2 Singstimmen mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung, 4 Hefte ausländischer Volksmelodien für eine oder zwei Singstimmen mit Klavierbegleitung, 12 Lieder für Turner, 6 Lieder für Wehrmänner, “Tod des Ajas” für Männerchor und Orchester, 2 Hefte Chöre und Quartette, ein Heft Trauergesänge, ungefähr 140 Kinderlieder, 40 Klavierlieder, weiteres für die Kirche viele mehrstimmige Choräle, Gesänge und Orgelstücke. An Instrumentalmusik schrieb er Klavier- und Flötenvariationen über Volkslieder, Choralvorspiele und 2 Ouvertüren. Er brachte auch die Geschichte des evangelischen Kirchengesanges heraus.

In seinen selbstkomponierten Volksliedern traf er den Volkston so gut, daß eine Reihe davon als echte Volkslieder weiterleben, wie “Ännchen von Tharau”, “Morgen muß ich fort von hier”, “Zu Strassburg auf der Schanz”

Literatur: A. Lämmle, Friedrich Silcher, Mühlacker 1956

In Schnait hat der Schwäbische Chorverband ein Silcher-Museum eingerichtet, und zwar in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schule – und damit im Geburtshaus von Friedrich Silcher. Dieses Museum hat einen eigene Webseite eingerichtet: www.silcher-museum.de.

Weitere Informationen zu Friedrich Silcher finden Sie über diesen Link.