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Eine gute Zeit für tiefe Töne: Silcher-Chor feiert Jubiläum

Winfried Fechner leitete noch einmal den Silcher-Chor, es war sein letzter Einsatz als Dirgent. Foto: t&w | Autor: Frank Füllgrabe

Lüneburg. Seinen 65. Geburtstag sollte der Mensch mit besonderer Würde feiern, oder es ganz lassen. Immerhin geht es um den offiziellen Eintritt ins Rentenalter, um einen neuen Lebensabschnitt, auch wenn es da heute viele andere Regelungen gibt. Der Lüneburger Silcher-Chor hat sich für die noble Variante entschieden, Gäste eingeladen und ein schönes Ambiente gefunden: Im Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde Lüneburg gratulierten natürlich mit Gesang der Frauenchor L`Ohreley und der Rockpop-Chor LoChorMotion, dazu füllten rund 300 Zuhörer den Saal.

Einige Verblüffung zu Beginn: Richard Wagners „Pilgerchor“ aus dem „Tannhäuser“ sang das Ensemble in der Eingangshalle, also gewissermaßen aus dem Off, ein schöner Effekt. Als „feste Größe“ im Konzertbetrieb und als „musikalischen Botschafter der Stadt Lüneburg“ würdigte Bürgermeister Eduard Kolle das Ensemble, nachdem die rund drei Dutzend Sänger dann doch noch auf die Bühne gestiegen waren. Weiterlesen

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Unter dem präzisen Dirigat von Winfried Fechner präsentierte der gut aufgelegte Silcher-Chor Lieder von Heinz Erhardt. Foto: t&w | Autor: ff Lüneburg

„Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen!“ Da ist er wieder, der tapsige Humorist mit der Birnenfigur und dem schwarzen Kassengestell  der Meister des Flachwitzes, manche sagen: der Erfinder des gepflegten Blödsinns in Deutschland. Heinz Erhardt heißt jetzt Stefan Keim, ist Kabarettist und mit Klassikern, mit Gedichten vom Ritter Fips und natürlich von der verwaisten Made bundesweit unterwegs. Im vollbesetzten Kulturforum Gut Wienebüttel präsentierten Keim und der Lüneburger Silcher-Chor unter der Leitung von Winfried Fechner eine Rundum-sorglos-Revue mit Liedern und Texten des Kalauer-Königs.

„Körperpflege ist in Lappland billig. Man braucht nur Seife, Lappen gibt es da genug!“ Bei manchen Witzen rollen sich einem die Fußnägel hoch. Aber Heinz Erhardt, 1909 in Riga geboren, 1979 in Hamburg gestorben, ist längst eine Legende. Bei Rankings über den wichtigsten deutschen Humoristen landete er  hinter Loriot  auf Platz zwei. Die scheinbare Naivität und Schüchternheit des onkelhaften Riesenbabys, seine geniale Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu entwirren und epische Dramen auf ein kleines Gedicht zu verkürzen, waren in TV-Spielfilmen und unzähligen Bühnenshows  „Ach, was bin ich wieder für ein Schelm heute…“  zu bewundern. Dieser Schelm hatte großen Anteil daran, dass den Wirtschaftswunder-Deutschen im Ausland etwas zugestanden wurde, was ihnen sonst immer so schrecklich zu fehlen schien: trockener, leichtfüßiger Humor.

Der Lüneburger Silcher-Chor (Durchschnittsalter: über 70 Jahre) arbeitet seit einiger Zeit an einem jüngeren Erscheinungsbild: ein neues Repertoire, mehr Popmusik, mehr Spaß, mehr Mut zum Experiment. So hatte der neuen Dirigent Winfried Fechner die Idee, seinen alten Kumpel Stefan Keim mit dessen Programm zu engagieren. Das Ensemble studierte Erhardt-Lieder ein, die für Männerchor arrangiert worden waren: Gassenhauer wie das Lied vom Fräulein Mabel und das von der England-Reise eines betagten Adeligen, wir erinnern uns: „Fährt der alte Lord fort/fährt er nur im Ford fort./Und die alte Misses/gibt ihm ein paar Kisses“, und so fort.

Man tut Heinz Erhardt unrecht, ihn als simplen Blödel-Barden einzustufen. So ganz nebenbei skizziert er seine Mitmenschen; Zitat: „Frau soundso hat zwei Ärzte. Einen älteren, wenn sie krank ist, und einen jüngeren, wenn ihr was fehlt.“ Aber funktioniert dieser Spaß mit seinen heute hinreichend bekannten Pointen auch noch im Jahre 2014?

Der Silcher-Chor wurde mit langem Applaus empfangen und konnte sich der Sympathie des Publikums  ebenfalls durchweg höhere Semester  den ganzen Abend über sicher sein. Den typischen weichen Singsang-Vortragsstil, mit dem Heinz Erhardt etwa Goethes „Erlkönig“ auf Normalmaß stutzte („Wer reitet so spät durch Wind und Nacht?/ Es ist der Vater. Es ist gleich acht.“) adaptierte Stefan Keim, ohne ihn überzustrapazieren. Und der Chor, von der erfahrenen Pianistin Mira Teofilova begleitet, hatte erkennbar seine Freude an den Liedern, die auch mal mit kleinen Comedy-Einlagen angereichert wurden. So hat der Silcher-Chor offensichtlich mit Heinz Erhardt auf das richtige Pferd gesetzt.

Apropos Pferd, noch einmal der Erlkönig: „Er erreicht den Hof mit Müh und Not,/der Knabe lebt, das Pferd ist tot.“

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Winfried Fechner führte den Silcher-Chor temperamentvoll durch das Wandelkonzert im Kloster Lüne. Foto: t&w | Autor: hjr Lüneburg.

Möglicherweise ist das der richtige Weg. Einfach mitsingen, ohne besonderen Probenaufwand, und am Ende packt manchen eventuell die Lust, doch regelmäßig dem Gesang zu frönen. So machte es der Lüneburger Silcher-Chor mit seinem Dirigenten Winfried Fechner. Folgerichtig lautete der Programmtitel „Singen mit dem Silcher-Chor“, ein Wandelkonzert rund um Kloster Lüne mit sommerlich sonnigem Inhalt und Aufforderung an das  etwas rare  Publikum, einzustimmen. Ein Experiment, das gelang.

Sachte ändert Winfried Fechner das Repertoire des Chors. Weniger Opernschmelz und romantisch Schweres als bisher, stattdessen dürfen es mal Schlager oder Songs sein. Das berühmte „Halleluja“ oder sogar Abba mit dem beflügelnden „Mich trägt ein Traum“ reihten sich mit technisch versierten Vorträgen ein. Wie pädagogisch inspiriert der Chorleiter agiert, erfuhren die Zuhörer überzeugend: Nach kurzen Anweisungen folgte das Publikum dem Dirigenten mit wachsendem Vergnügen, dergestalt mutierte der ehrwürdige Männer-Chor zum gemischten Ensemble.

 Traditionelles bleibt eine Säule, darunter Silchers „Ännchen von Tharau“, hier aber nun flott auf Plattdeutsch präsentiert  in der Brunnenhalle zu plätscherndem Wasser: ein Ort für volkstümliche Liebeslieder, die den Herren mit hörbarer Freude und kräftigen Stimmen über die Lippen gingen. Mitgesungen werden durfte selbstverständlich auch. „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ stand auf der Agenda, passend begleitet von Mundharmonika und Waldzither.

Jeder Raum versprühte eine spezifische Atmosphäre, entsprechend kombinierte Fechner die Beiträge. Im Refektorium beispielsweise hatten Werke ihren Platz, die ein bisschen geheimnisvoll wirkten, wie Franz Schuberts „Die Nacht“, hingebungsvoll interpretiert. Erfreulicherweise brachten die verschiedenen Stationen und Herausforderungen den Silcher-Chor in keinem Moment aus dem Takt. Im Gegenteil, die Stücke saßen präzise. Winfried Fechner hatte die Männer mit klaren Zeichen fest im Griff, regte zu Disziplin an, forderte akkurate Intonation.

Das Vergnügen an der Musik übertrug sich auf die Besucher. Unter der Überschrift „Festival der Lieder“ gab es einen interessanten, überraschenden Akzent zu erleben. Fortsetzung folgt: Am Sonntag, 13. Juli, flanieren die Choristen ab 17 Uhr durch Lüneburgs Psychiatrische Klinik.

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Winfried Fechner, der neue Mann vorm Silcher-Chor. Foto: t&w | Autor: aat Vögelsen

Etwas Besonderes wollte der Silcher-Chor bei seinem ersten großen Auftritt unter seinem neuen Leiter Winfried Fechner bieten: Er kam nicht allein, sondern lud zwei Männerchöre ein, die unterschiedliche Musikstile und Singweisen boten. Der Silcher-Chor selbst zeigte neue Facetten: Im voll besetzten Kulturforum warteten die Lüneburger mit einem überraschenden und temperamentvollen Programm auf, das neben Musik aus der Renaissance und Romantischem aus der großen Zeit des Männer-Chorgesangs auch zeitgenössische Popsongs, Humoristisches und Zeitgenössisches umfasste.

Mit Enthusiasmus moderierte Winfried Fechner das Programm und lud das Publikum sogar zum Mitmachen ein. Die Pavane „Belle qui tiens ma vie“ von Thoinot Arbeau (1519-1595) erklang aus dem Eingangsbereich der Scheune. Dann kamen die Silcher-Choristen auf die Bühne, stimmten „Untreue“ an, bekannt als „In einem kühlen Grunde“, eines der Lieder ihres Namensgebers Friedrich Silcher. Die feine, stimmungsvolle Interpretation knüpfte an die traditionelle dynamische Interpretationsweise von Fechners Vorgänger Egon Kretzer an, der den Chor bis vor einem halben Jahr geprägt hat.

Zuvor hatte der Silcher-Chor bereits mit einem Werk überrascht, das Freunde Fechners komponiert und arrangiert haben, die Japaner Kaoru Wada und Katsura Shimizu. Sie haben das melodisch-atmosphärische Finale aus einem japanischen Musical eigens dem Silcher-Chor übereignet, der dieses musikalische Landschafts- und Seelenbild sicher und sehr eingängig auslegte – auf Japanisch! Am Piano begleitete Mira Teofilova diesen Hoffnungsgesang mit viel Feingefühl. Ganz anders, nämlich verschmitzt und lustig, der gelungene Wise-Guys-Hit „Probier’s mal mit ’nem Bass“ (Solo: Ulli Hess).

A cappella offerierten die elf Mitglieder der Singsation aus Bremen ihre Songs („Heart of my Heart“, „Under the Boardwalk“ u.a.). Sie bezeichnen sich als Barbershop-Chor und frönen jener vierstimmig-harmonischen Musik, wie sie im Süden der USA in Frisör-Salons den Radiosendungen nachgesungen wurde, um sich das Warten auf den Haarschnitt zu vertreiben. Auffallend sind eine hohe Stimme und gesummte Stimmen. Chorleiter Washington de Oliveira dirigierte mit Temperament und Rhythmus, brachte die Sänger zum Swingen und ließ auch das schwierige „Crazy Little Thing“ von Freddie Mercury mit Schwung vortragen.

Den MGV Selsingen e.V. von 1877 gab es bereits 70 Jahre, als der Silcher-Chor seinen 25. Geburtstag feierte. Er pflegt die Tradition des deutschsprachigen Singens und ließ u.a. „Aus der Traube in die Tonne“ und „Babylon“ erklingen. Chorleiter Piet Zorn aus dem Odenwald ließ das Schunkellied „Die schöne Odenwälderin“ nicht fehlen, eher er seine Sänger mit dem Silcher-Chor Leonard Cohens „Hallelujah“ anstimmen ließ: Rund 70 Männerstimmen schwelgten in großem Sound mit „Mich trägt mein Traum“ (Abba), „Ciao d’Amore“ und „Sierra Madre“.

Schuberts Nachtlied sang der Silcher-Chor allein, in wunderbarem Pianissimo. Bevor er sich mit „Der Mond ist aufgegangen“ und einem witzigen Tango („Das ist der Zauber der spanischen Nächte“) verabschiedete, ließ Fechner das Publikum mit Butterbrotpapier rascheln: Solche Regengeräusche gehörten zu „Secret of Mana“ („Fear of the Heaven“) von Hiroki Kikuta, arrangiert von Jonne Valtonen. Fechner hatte dieses effektvolle Stück Programmmusik geschenkt bekommen, um es mit dem Silcher-Chor erstmals aufzuführen. Das Publikum war begeistert.

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